Greenpeace-Studie: Versteckte Folgekosten von Überdüngung belasten Gesellschaft und Gesundheitssystem
Hamburg, 15. 10. 2026 – Nitratbelastetes Trinkwasser könnte in Deutschland jährlich knapp 75 Millionen Euro an Kosten für die Behandlung von Darmkrebs verursachen. Hinzu kämen jedes Jahr fast 66 Millionen Euro an indirekten volkswirtschaftlichen Verlusten. Dies zeigt eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace, die internationale Forschungsergebnisse für Deutschland modelliert. Die gesellschaftlichen Kosten durch den Verlust an gesunden Lebensjahren belaufen sich auf rund 1,16 Milliarden Euro jährlich.
Darmkrebs hat verschiedene Ursachen. Menschen können sich dagegen wappnen, in dem sie aufhören zu rauchen, weniger Alkohol trinken oder kein rotes Fleisch essen, Wasser aber müssen wir alle trinken. Das macht das Nitratproblem so dringend. Wenn auch nur der Verdacht besteht, dass Nitrat im Wasser das Risiko für Darmkrebs erhöhen könnte, muss die Politik unsere Trinkwasserquellen besser vor diesen Folgen der Überdüngung schützen.Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace
Etwa zwei von drei Trinkwassermessstellen in Deutschland (62 Prozent) zeigen laut Nitratdatenbank Werte bei oder über 10 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Hauptursache für durch Nitrat verschmutztes Grundwasser sind hohe Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft. Langfristige internationale Verlaufsstudien – insbesondere aus Dänemark – belegen, dass sich bereits bei Konzentrationen weit unter dem deutschen Grenzwert das Risiko für Darmkrebs erhöhen könnte. Dänemark plant daher neben strengen Düngevorgaben auch einen Grenzwert von 6 Milligramm Nitrat pro Liter einzuführen.
Der dänische Vorschlag, den Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser deutlich zu senken, ist für die öffentliche Gesundheitsfürsorge ein guter Schritt. Er wird das Schutzniveau gegenüber potenziellen chronischen Gesundheitseffekten von mit Nitrat verunreinigtem Trinkwasser erhöhen und ist insbesondere im Hinblick auf das Vorsorgeprinzip längst überfällig.Jörg Schullehner, Associate Professor an der Universität Aarhus
Den möglichen Gesundheitskosten durch nitratbelastetes Trinkwasser stellt die Studie die Kosten gegenüber, die durch einen reduzierten Düngereinsatz auf deutschen Ackerflächen entstehen könnten. Ein direkter Vergleich der untersuchten Gesundheits- und Präventionskosten ist nicht möglich. Denn die Anpassungen würden zudem mindernd wirken auf Umwelt- und Ökosystemschäden wie Überdüngung von Gewässern, Artensterben und Treibhausgasemissionen. Diese Kosten wurden in der Studie nicht untersucht.