Greenpeace weist hohe Nitratbelastung in der Heimat von Ministerpräsident Söder nach

GP0SUAR65_Medium res with credit line (1200px).jpg
  • jpg

Foto: Tino Boecher/Greenpeace

Schwaig bei Nürnberg, 21. 10. 2026 - Die Nitratwerte in Flüssen und Bächen in der Region Nürnberg überschreiten in mehreren Fällen den Zielwert für Oberflächengewässer von 11 Milligramm pro Liter. Das zeigen Wasserproben, die Greenpeace an drei Stellen genommen und analysiert hat. Das Wasser ist dort an allen Entnahmestellen in einem ökologisch bedenklichen Maße belastet. Besonders stark belastet sind Proben aus dem Knoblauchsland, in denen der Zielwert innerhalb der letzten vier Wochen um das bis zu 30-fache überschritten wurde. Das hat die Analyse von Julios Kontchou, Umwelttoxikologe bei Greenpeace Deutschland, vor Ort ergeben. Das mobile Labor war in Behringersdorf im Stimmkreis des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder platziert, Nürnberg ist die Heimatstadt des CSU-Politikers. Hauptursache der Nitratbelastung ist die übermäßige Düngung in der Landwirtschaft. Von Äckern und Wiesen gelangt der Stoff ins Oberflächen- und Grundwasser.

Diese bedenklichen Werte in der Heimat des Ministerpräsidenten fallen nicht vom Himmel. Sie sind das Ergebnis einer verfehlten Politik der CSU. Seit 2025 durchlöchert Söders Partei das Düngerecht und schwächt den Wasserschutz. Diese organisierte Verantwortungslosigkeit muss aufhören. Wir brauchen im Düngerecht eine verpflichtende Hoftorbilanz – also eine belegbasierte Nährstoffbilanz des Gesamtbetriebs - mit der die Überdüngung verursachergerecht erfasst und kontrolliert werden kann. Vera Baumert, Naturschutzexpertin bei Greenpeace Bayern

Bevor Greenpeace in Mittelfranken unterwegs war, hat die Umweltorganisation die jüngsten Messwerte aller Grundwasser- und Flussmessstellen des Gewässerkundlichen Dienstes Bayern für die Region Nürnberg (Landkreis Nürnberger Land und Stadt Nürnberg) analysiert. Demnach wurde dort der Zielwert für Oberflächengewässer zuletzt an 7 von 12 Messstellen (58 Prozent) überschritten. Beim Grundwasser gilt das lediglich für 2 von 22 Messstellen (9 Prozent). Sie liegen mit ihrem jeweils letzten offiziell gemessenen Nitratwert über 50 mg/l. Im gesamten Freistaat überschreiten 23 Prozent der Grundwasser-Messstellen den Grenzwert. Nitrat im Trinkwasser kann die Gesundheit von Säuglingen gefährden und steht im Verdacht, das Darmkrebsrisiko zu erhöhen. Dass der geltende Schwellenwert im Grundwasser vielerorts überschritten wird, macht die Aufbereitung von Trinkwasser kompliziert und teuer.

Da es verschiedene Messnetze gibt, variieren die Angaben zur Nitratbelastung. Bis 2025 gaben die sogenannten “Roten Gebiete” Anhaltspunkte. Sie markierten Landstriche, in denen das Grundwasser besonders nitratbelastet ist. Im Herbst 2025 hob Bayern die Ausweisung nach einem Gerichtsurteil auf. Die verschärften Düngeregeln für “Rote Gebiete” entfielen.

Beim Schutz unseres Grundwassers vor Überdüngung ist Bayern seit einem Jahr im Blindflug. Dadurch verlieren wir wertvolle Zeit. Als CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident muss Markus Söder jetzt handeln und die rechtssichere Neuausweisung der Roten Gebiete ohne Verzögerung in Bayern und im Bundesrat vorantreiben. Vera Baumert, Naturschutzexpertin bei Greenpeace Bayern

Deutschlandweit nehmen Bürger:innen und Greenpeace-Aktive noch bis Ende November Proben aus Flüssen, Bächen und Seen sowie privaten Grundwasserbrunnen. Mit den so erhobenen Werten entsteht Stück für Stück eine Karte, die die Nitratbelastung aufdeckt.

Weitere Fotos finden Sie unter diesem Link.

Erhalten Sie Greenpeace e.V.-Neuigkeiten in Ihrem RSS-Reader.

Oder manuell über Atom-URL abonnieren