Weißenburg, 20. 10. 2026 - Die Nitratwerte in Flüssen und Bächen im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen überschreiten in mehreren Fällen den Zielwert für Oberflächengewässer von 11 Milligramm pro Liter. Das zeigen Wasserproben, die Greenpeace an vier Stellen genommen und analysiert hat. Das Wasser ist dort an allen vier Entnahmestellen in einem ökologisch bedenklichen Maße belastet. Das hat die Analyse von Julios Kontchou, Umwelttoxikologe bei Greenpeace Deutschland, vor Ort in einem mobilen Labor ergeben. Der Wahlkreis Ansbach, der die Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen und Ansbach sowie die Stadt Ansbach umfasst, wird im Bundestag von Artur Auernhammer (CSU) vertreten. Hauptursache der Nitratbelastung ist die übermäßige Düngung in der Landwirtschaft. Von Äckern und Wiesen gelangt der Stoff ins Oberflächen- und Grundwasser.
Diese bedenklichen Werte im Wahlkreis des agrarpolitischen Sprechers der CSU-Landesgruppe fallen nicht vom Himmel. Sie sind das Ergebnis einer verfehlten Politik. Seit 2025 durchlöchert die CSU das Düngerecht und schwächt den Wasserschutz. Diese organisierte Verantwortungslosigkeit muss aufhören. Wir brauchen im Düngerecht eine verpflichtende Hoftorbilanz – also eine belegbasierte Nährstoffbilanz des Gesamtbetriebs - mit der die Überdüngung verursachergerecht erfasst und kontrolliert werden kann.Vera Baumert Naturschutz-Expertin Greenpeace Bayern
Bevor Greenpeace mit einem mobilen Messlabor in Mittelfranken unterwegs war, hat die Umweltorganisation die jüngsten Messwerte aller Grundwasser- und Flussmessstellen des Gewässerkundlichen Dienstes Bayern für den Wahlkreis Ansbach analysiert. Demnach wurde dort der Zielwert für Oberflächengewässer zuletzt an allen 22 Messstellen überschritten. Beim Grundwasser gilt das für 29 von 74 Messstellen (39 Prozent). Sie liegen mit ihrem jeweils letzten offiziell gemessenen Nitratwert über 50 mg/l. Im gesamten Freistaat überschreiten 22,7 Prozent der Grundwasser-Messstellen den Grenzwert. Nitrat im Trinkwasser kann die Gesundheit von Säuglingen gefährden und steht im Verdacht, das Darmkrebsrisiko zu erhöhen. Dass der geltende Schwellenwert im Grundwasser vielerorts überschritten wird, macht die Aufbereitung von Trinkwasser kompliziert und teuer.
Da es verschiedene Messnetze gibt, variieren die Angaben zur Nitratbelastung. Bis 2025 gaben die sogenannten “Roten Gebiete” Anhaltspunkte. Sie markierten Landstriche, in denen das Grundwasser besonders nitratbelastet ist. Im Herbst 2025 hob Bayern die Ausweisung nach einem Gerichtsurteil auf. Die verschärften Düngeregeln für “Rote Gebiete” entfielen.
Beim Schutz unseres Grundwassers vor Überdüngung ist Bayern seit einem Jahr im Blindflug. Dadurch verlieren wir wertvolle Zeit. Die CSU im Bundestag muss jetzt handeln und die rechtssichere Neuausweisung der Roten Gebiete ohne Verzögerung vorantreiben.Vera Baumert, Naturschutz-Expertin Greenpeace Bayern
Deutschlandweit nehmen Bürger:innen und Greenpeace-Aktive noch bis Ende November Proben aus Flüssen, Bächen und Seen sowie privaten Grundwasserbrunnen. Mit den so erhobenen Werten entsteht Stück für Stück eine Karte, die die Nitratbelastung aufdeckt. Die Greenpeace-Ortsgruppe Ansbach nimmt am Samstag, 24. Oktober am Martin-Luther-Platz 1 in 91522 Ansbach, von 10:30 Uhr bis 14 Uhr Wasserproben von Bürger:innen entgegen.