Greenpeace-Analyse: Ein Fünftel der Trinkwasserschutzgebiete sind nitratbelastet

Heute beginnende Agrarministerkonferenz könnte Düngeregeln weiter schwächen

Hamburg, 23. 9. 2026 – Eine neue Greenpeace-Analyse von Geodaten zeigt: 19 Prozent der deutschen Wasserschutzgebiete liegen in sogenannten Roten Gebieten mit nitratbelastetem Grundwasser (Interaktives Bundesländer-Ranking mit den Ergebnissen der Analyse: https://act.gp/4jfNxHF). Nach einem verwaltungsgerichtlichen Urteil greifen die in diesen Gebieten vorgesehenen strengeren Düngeauflagen seit knapp einem Jahr nicht mehr. Nun drohen sie dauerhaft zu entfallen. Auf der heute beginnenden Agrarministerkonferenz könnten Bund und Länder sich auf eine weitreichende Deregulierung der Düngeregelungen einigen. Erhöhte Nitratwerte im Grundwasser bergen Risiken auch für die menschliche Gesundheit. Die Aufbereitung nitratbelasteten Grundwassers zu Trinkwasser wird in vielen Regionen aufwendiger.

Ausgerechnet dort, wo unser Wasser besonders geschützt werden soll, liegen die Düngebeschränkungen brach. Die Agrarminister:innen von Bund und Ländern müssen für das neue Düngejahr ein rechtssicheres Düngerecht beschließen, sonst zahlen auch Verbraucher:innen doppelt: mit mangelndem Gesundheitsschutz und weiter steigenden Kosten für ihr Trinkwasser. Anne Hamester, Agrarexpertin von Greenpeace

Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen mit höchster Belastung

Besonders betroffen ist das Grundwasser in Regionen mit hoher Viehdichte (wie in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen), intensiver Ackerbaunutzung (wie beispielsweise in Sachsen) oder in Gebieten mit durchlässigen Böden (wie in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern), zeigt das Bundesländer-Ranking. Die meisten nitratbelasteten Flächen in Wasserschutzgebieten finden sich in Mecklenburg-Vorpommern (61 Prozent) und Niedersachsen (38 Prozent), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (23 Prozent) sowie Hessen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Sachsen mit jeweils rund 20 Prozent. Auf einer interaktiven Karte können die betroffenen Bereiche bis auf kommunale Ebene eingesehen werden.

Auf der heute startenden Konferenz der Agrarminister:innen könnten die bisherigen Düngeauflagen nach Vorschlägen von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sowie aus Bayern und Baden-Württemberg weitgehend aufgeweicht werden. Mit einer Abschaffung der bisherigen Standards würde Deutschland erneut ein EU-Vertragsverletzungsverfahren mit Strafzahlungen von über 850.000 Euro täglich drohen. Das jüngste Verfahren war 2023 nur unter der Auflage funktionierender Schutzinstrumente wie der Einrichtung verschärfter Gewässerschutzauflagen in den Roten Gebieten eingestellt worden.

Um Grundwasser zu schützen und Landwirt:innen Planungssicherheit zu geben, muss das Düngerecht vollständig überarbeitet werden. Doch die Agrarminister:innen hebeln das Schutzsystem der Roten Gebiete aus und rennen damit sehenden Auges in ein neues kostspieliges EU-Verfahren. Anne Hamester, Agrarexpertin von Greenpeace

Übermäßige Düngung in der Landwirtschaft belastet Deutschlands Grundwasser massiv. Vor allem die massenhafte Tierhaltung produziert in vielen Regionen weit mehr Gülle, als Böden und Pflanzen aufnehmen können. Dieser Nährstoffüberschuss sickert als Nitrat und Phosphat in Böden und Gewässer. An mehr als jeder vierten Messstelle in landwirtschaftlich genutzten Gebieten wird der EU-Grenzwert für Nitrat überschritten.

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