Wismar, 25.1.2016 – Im beginnenden Streit um den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien demonstrieren Greenpeace-Aktivisten heute beim Treffen der Ministerpräsidenten der norddeutschen Bundesländer für mehr Tempo. Die Klimaschützer stellen vor dem Tagungsort in Wismar ein fünf Meter hohes verknotetes Windrad auf und fordern auf einem Banner: „Klimaschutz nach Paris heißt: Ausbau der Erneuerbaren beschleunigen!“ Anders als Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) fordern die Regierungschefs der Nordländer aus wirtschafts- und aus klimapolitischem Gründen einen weiterhin schnellen Ausbau der Erneuerbaren. „Auf der UN-Konferenz in Paris hat sich auch Deutschland zu mehr Klimaschutz verpflichtet. Gabriels EEG-Reform aber bedeutet weniger Klimaschutz. Sie ist ein fatales Signal für alle, die Hoffnung auf das Klimaabkommen gesetzt haben“, sagt Greenpeace-Energieexperte Tobias Riedl.
Derzeit arbeitet Wirtschaftsminister Gabriel an einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Der aktuelle Entwurf sieht vor, den Anteil der Erneuerbaren am Strombedarf von aktuell 33 Prozent bis zum Jahr 2025 auf lediglich 40 bis 45 Prozent zu steigern. Damit würde der zuletzt dynamische Zuwachs der Erneuerbaren so massiv gedrosselt, dass Deutschland seinen nötigen Beitrag zum Klimaschutz weit verfehlte. In Paris hat sich Deutschland als eines von fast 200 Ländern verpflichtet, den Temperaturanstieg deutlich unter 2 Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Zahlreiche Experten, so auch das Umweltbundesamt, gehen davon aus, dass der Stromsektor bis spätestens 2050 vollständig auf Erneuerbare umgestellt seien muss, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, entsprechend früher, um darunter zu bleiben. Der jetzige Ausbaupfad zielt jedoch auf 80 Prozent.
Weltweit boomt der Ausbau der Erneuerbaren Energien. Lange als Bremser verschriene Länder wie China und USA haben eine Energiewende eingeleitet und legen ein enormes Tempo beim Ausbau von Wind- und Solaranlagen an den Tag. Deutschland droht bei einer entscheidenden Zukunftstechnologie weit ins Hintertreffen zu geraten. Gleichzeitig beschränken immer mehr Staaten die Verbrennung klimaschädlicher Kohle. Doch während etwa Großbritannien einen Kohleausstieg bis 2025 oder die USA ein Moratorium für neue Kohlelizenzen angekündigt haben, verschleppt die Bundesregierung den unausweichlichen Kohleausstieg. „Wirtschaftsminister Gabriel muss sich aus der rückwärtsgewandten Kohlenähe der SPD lösen, sonst steuert er Deutschland in eine klimapolitische Sackgasse“, so Riedl.
Deutschland kann seine Energieversorgung bis zum Jahr 2050 vollständig auf Erneuerbare Energien umstellen und innerhalb der kommenden 25 Jahre vollständig aus der Kohle aussteigen. Dies hat Greenpeace im Energieszenario „Der Plan“ vorgerechnet.
Über Greenpeace e.V.
Greenpeace arbeitet international, setzt sich mit direkten, gewaltfreien Aktionen für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen von Mensch und Natur und Gerechtigkeit für alle Lebewesen ein.
Das verwendete Bildmaterial steht 14 Tage nach Veröffentlichung zum Download für Medien zur Verfügung. Lieferbedingungen: keine Weitergabe an Dritte, kein Weiterverkauf, keine Archivierung, nur für redaktionelle Zwecke, Quellenangabe obligatorisch.
Kontaktdaten
-
- Gregor Kessler
- Pressesprecher Mobilität
- gregor.kessler@greenpeace.org
- 0151-72702918
Link kopieren
https://presseportal.greenpeace.de/205606-klimaschutz-nach-paris-heisst-ausbau-der-erneuerbaren-beschleunigen/Verwandte Themen
Verwandte Presseaussendungen
Greenpeace-Stellungnahme zum Bohrbeginn in Reichling
Im oberbayerischen Reichling hat die Gasbohrung begonnen. Das hat die Regierung von Oberbayern bestätigt. Saskia Reinbeck, Klimaschutzexpertin von Greenpeace Bayern, fordert Bayerns Wirtschaftsmini...
Braunkohlekonzern Leag: Analyse warnt vor Finanzierungslücken bei der Rekultivierung der Tagebaue
Der Konzernumbau beim Lausitzer Energiekonzern Leag verschiebt Milliardenrisiken aus dem Braunkohlegeschäft auf die Allgemeinheit, so eine Analyse des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS)...
Greenpeace-Stellungnahme zu bevorstehender Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes
Sophia van Vügt, Greenpeace-Expertin für Klima- und Energiepolitik, bestreitet, dass CCS dem Klimaschutz hilft.
Greenpeace-Aktivist:innen protestieren auf Bohrplatz: Kein neues Gas in Bayern!
Im oberbayerischen Reichling soll kommende Woche nach fossilem Erdgas gebohrt werden. Greenpeace-Aktivist:innen haben mit einer fünf Meter hohen Bambus-Konstruktion direkt auf dem Bohrplatz protest...
Greenpeace-Stellungnahme zu fossilen Energieimporten aus den USA
Klimazerstörung darf keine Verhandlungsmasse in Handelskonflikten sein. Derlei weitreichende Deals brauchen demokratische Mitbestimmung und dürfen nicht hinter verschlossenen Türen vereinbart werden.