Greenpeace-Städtevergleich: Berlin ist bei der Wärmewende nur mittelmäßig

EU-Ranking bewertet Fortschritte beim Ausstieg aus fossilem Heizen

Hamburg, 6. 10. 2026 – Bei einer Bewertung von 15 europäischen Großstädten zu Fortschritten bei der Wärmewende erreicht Berlin lediglich Platz 8. Der neue Greenpeace-Bericht (https://act.gp/4dlGZne) vergleicht, wie weit sich Städte bei der Wärmeversorgung unabhängig von fossilen Rohstoffen gemacht haben. Am weitesten sind dabei Stockholm, Paris und Wien gekommen, die ihre Gebäudewärme konsequent von fossilem Gas entkoppeln. Schlusslichter des Rankings sind Athen, Rom und Bukarest mit grundlegenden Versäumnissen bei Planung und Umsetzung.

„Berlin setzt seine guten Voraussetzungen bei der Wärmewende aufs Spiel”, sagt Marina Falke, Greenpeace-Expertin für Klima und Energie. “Mit einer vorausschauenden Planung und einem kommunalen Fernwärmenetz könnte Berlin schnell voran kommen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung.” Doch statt die Wärmenetze zu elektrifizieren, plant die Stadt Kohle durch Gas zu ersetzen. “Die Stadt bleibt die Erklärung schuldig, wie sich Investitionen in die Gas-Infrastruktur mit dem geplanten fossilen Ausstieg vereinbaren lassen”, so Falke.

Berlin: gute Pläne, schlechte Umsetzung

Der Bericht bescheinigt Berlin enorme Schwächen: So stagnierten die Wärme-bedingten Emissionen zwischen 2020 und 2024 nahezu (minus 1,3 Prozent) und etwa 39 Prozent der Gebäudewärme stammen weiterhin aus fossilen Quellen. In Moabit, Charlottenburg und Klingenberg lässt die Stadt neue Kraftwerksblöcke mit Gasturbinen errichten und riskiert damit, fossile Abhängigkeiten auf lange Zeit zu zementieren. In den Zukunftsszenarien der BEW soll das Gas ab 2035 teilweise durch Wasserstoff ersetzt werden, dabei sind Preis und Verfügbarkeit unsicher. Darüber hinaus fehlt ein verbindlicher Fahrplan zum Rückbau des Gasnetzes. Mit einem detaillierten kommunalen Wärmeplan ist die Bundeshauptstadt gut vorbereitet, und die in öffentlicher Hand liegende Fernwärme gibt der Stadt einen regulatorischen Hebel. Bis 2030 plant Berlin, rund 3,5 Milliarden Euro in Wärmepumpen, Power-to-Heat und den Kohleausstieg zu investieren. Mit 61 von 100 Punkten liegt Berlin in der Auswertung dicht bei Städten wie Budapest, Prag, Warschau und Brüssel.

Greenpeace beobachtet die Wärmeplanung in Städten besonders aufmerksam, weil sie beim Ausstieg aus fossilem Gas eine entscheidende Rolle spielen. Sie setzen nicht nur die Klimapolitik von Bund und Ländern um, sondern gestalten die Wärmewende ganz konkret mit: durch Stadtplanung, kommunale Energieversorger, öffentlichen und sozialen Wohnungsbau, Sanierungsprogramme, Beschaffung und eigene Investitionen. Das Städteranking zeigt, wie unterschiedlich Kommunen diese Handlungsspielräume nutzen und wo beim Gasausstieg Nachholbedarf besteht. „Fossiles Gas heizt Extremwetter an, treibt die Lebenshaltungskosten in die Höhe und gefährdet Europas Unabhängigkeit. Ob Europas Ausstieg aus fossilem Gas gelingt, entscheidet sich auch auf kommunaler Ebene”, so Falke. “Städte müssen ihre Wärmewende beschleunigen – damit das gelingt, muss die Bundesregierung durch klare Gesetzgebung Planungssicherheit schaffen.”

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