Kingston/Hamburg, 31. Juli 2026. – Am letzten Tag der Verhandlungen der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) auf Jamaika ringen die Mitgliedstaaten noch weiter um ein geschlossenes Vorgehen gegenüber Staaten, die an der ISA vorbei Tiefseebergbau betreiben wollen. Zusätzliche Brisanz in die heutige Debatte bringt der Umgang mit der Klage der Firma NORI - ein Tochterunternehmen von “The Metals Company” (TMC) - gegen die ISA, die aktuell beim Internationalen Seegerichtshof verhandelt wird. Trotz der eingeleiteten Klage und dem aggressiven Agieren von TMC, den Tiefseebergbau auch ohne ISA-Regulierung zu starten, hat der ISA-Rat bereits die Erkundungslizenzen von NORI für fünf Jahren verlängert. Deutschland hat sich während des ISA-Treffens abermals gegen den voreiligen Start von Tiefseebergbau ausgesprochen. Jedoch hält die deutsche Bundesregierung sich mit der Position der ‘vorsorglichen Pause’ die Option offen, weiterhin Forschungsvorhaben für Tiefseebergbau voranzutreiben.
Daniela von Schaper, Meeresexpertin von Greenpeace Deutschland, fordert härtere Maßnahmen gegenüber Unternehmen, die völkerrechtswidrig handeln
Die Entscheidung, die Explorationslizenz für Manganknollen des TMC-Tochterunternehmens NORI zu verlängern, war ein Fehler. Damit signalisiert die ISA, dass Unternehmen nur aggressiv gegen sie klagen müssen, um ihre Interessen durchzusetzen. Die ISA muss nun geschlossen gegen Länder und Unternehmen vorgehen, die im Alleingang Tiefseebergbau betreiben wollen. Wirksame Maßnahmen wären zum Beispiel, dass einzelne Mitgliedstaaten die Lieferketten des illegalen Tiefseebergbaus unterbrechen und einschränken.Daniela von Schaper, Meeresexpertin von Greenpeace Deutschland
Für Greenpeace Meeresexpertin von Schaper agiert die Bundesregierung weiterhin mit einer Doppelstrategie und bleibt eine eindeutige Absage an den Tiefseebergbau schuldig:
Offiziell stellt sich Deutschland bei der ISA auf die Seite der Abbau-Gegner. Doch gerade die jüngsten Äußerungen aus der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe erinnern daran, dass die Rohstoffstrategie der Bundesregierung den Tiefseebergbau nicht ausschließt. Es sind bereits Millionen Euro von Forschungsgeldern in die Tiefseebergbau-Forschung geflossen. Das ist der falsche Weg, denn die Tiefsee mit ihren hochsensiblen Ökosystemen muss dauerhaft vor jeglichen Eingriffen geschützt werden und dafür braucht es ein internationales Moratorium.Daniela von Schaper, Meeresexpertin von Greenpeace Deutschland
Hintergrund: Deutschland fördert Forschungsprojekte für den Tiefseebergbau: Beispiel “Deep Sea Sampling 2” - Entwicklung von Frästechnik für Massivsulfide im Indischen Ozean. Diese soll später für Abbautests genutzt werden. Außerdem schmieden deutsche Unternehmen in Saudi-Arabien Allianzen für die Ausbeutung von Rohstoffen im Roten Meer. Dabei soll auch Technik aus deutschen Forschungsprojekten zum Einsatz kommen, die Steuergeld in Millionenhöhe erhalten. Zwei aktuelle Greenpeace-Recherchen legen die Widersprüche zwischen der Position der Bundesregierung und ihrer Vergabe von Fördermitteln offen.