Greenpeace-Recherchen: Bundesministerien finanzieren trotz “vorsorglicher Pause” Technik für umstrittenen Tiefseebergbau
Hamburg, 9. 7. 2026 – Deutsche Unternehmen schmieden in Saudi-Arabien Allianzen für die Ausbeutung von Rohstoffen im Roten Meer, während sich die Bundesregierung seit 2022 offiziell für eine “vorsorgliche Pause” beim schädlichen Tiefseebergbau einsetzt. Dabei soll Technik aus deutschen Forschungsprojekten zum Einsatz kommen, die Steuergeld in Millionenhöhe erhalten. Zwei aktuelle Greenpeace-Recherchen legen die Widersprüche zwischen der Position der Bundesregierung und ihrer Vergabe von Fördermitteln offen (https://act.gp/3RmRxdV). “Wer eine vorsorgliche Pause beim Tiefseebergbau will, muss jegliche Finanzierung für Abbau-Technik aussetzen. Nur dann schützt man die Tiefsee vor Zerstörung”, sagt Greenpeace-Meeresexpertin Daniela von Schaper.
Die Auswertung von Datenbanken und nach dem Umweltinformationsgesetz erlangte Unterlagen belegen, dass das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesforschungsministerium innerhalb der vergangenen zehn Jahre mindestens 21 Projekte mit Bezug zum Tiefseebergbau finanziert haben. So wurden etwa Maschinen für Erkundung und Ausbeutung von Rohstoffen in der Tiefsee entwickelt. Insgesamt flossen mehr als 90 Millionen Euro Steuergeld, ein Teil davon auch erst nach der Entscheidung der Bundesregierung 2022 für eine “vorsorgliche Pause”. Die dem Wirtschaftsministerium unterstellte Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist darüber hinaus Mitglied in einem der Projektkonsortien und erwartet, Forschungsdaten künftig an Tiefseebergbau-Investoren verkaufen zu können.
Finanziert wird auch “Deep Sea Sampling 2” – ein Projekt zum Bau und zur Erprobung von Fräsgeräten für den Tiefseebergbau. Greenpeace hatte sich vor Bewilligung des Projekts im Jahr 2025 deutlich dagegen ausgesprochen. “Mit der Förderung von Tiefseebergbauprojekten wird der Weg für die zukünftige Zerstörung des Meeresbodens und wichtigen Ökosystemen bereitet. Das Bundeswirtschaftsministerium muss jegliche Finanzierungen in Abbautechnologien stoppen, ansonsten untergräbt es die offizielle Position Deutschlands”, sagt von Schaper.
Von deutschen Steuergeldern profitierte unter anderem eine Tochterfirma der bayerischen Bauer AG. Deren Maschinen könnten zur Ausbeutung der Tiefsee im Roten Meer verwendet werden. Zu diesem Zweck hat sich ein Netzwerk deutscher und saudi-arabischer Firmen und Personen gebildet, die die Maschinen von Bauer im Roten Meer einsetzen wollen. Firmen des Netzwerks haben dafür Lizenzen beantragt und werben Investoren-Gelder ein.
“Die Bundesregierung darf sich nicht von der Industrie unter Druck setzen lassen, sondern muss sich nun klar für ein internationales Moratorium für Tiefseebergbau aussprechen”, sagt von Schaper. Auf der bevorstehenden Konferenz der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) in Jamaika werden die UN-Staaten diskutieren, wie es mit dem Mining Code, dem umstrittenen Bergbaukodex für die Tiefsee, weitergehen soll.