Korrektur: Greenpeace-Studie: Bis zu 56 Prozent der Bevölkerung in europäischen Ländern von öffentlichem Nahverkehr abgeschnitten
KORREKTUR: In einer früheren Version schrieben wir, die Hälfte der Europäer:innen sei abgeschnitten. Der Wert von 56 Prozent bezieht sich jedoch nur auf Zypern, im Durchschnitt geben 15 Prozent der Bevölkerung der untersuchten Länder an, keinen ausreichenden Zugang zum ÖPNV zu haben. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.
Hamburg, 19. 5. 2026 - Fehlende Bus- und Bahnverbindungen sind Realität für bis zu 56 Prozent der Bevölkerung in europäischen Ländern. Das zeigt die neue Studie “Access Denied” (“Zugang verweigert”) des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace Mittel- und Osteuropa. Im Schnitt aller 33 untersuchten Länder geben 15 Prozent der Bevölkerung an, keinen ausreichenden Zugang zum ÖPNV zu haben. Die fehlenden Alternativen zwingen bis zu 19 Prozent der Bevölkerung in europäischen Ländern zum Besitz eines Autos, obwohl ein PKW für sie eine hohe finanzielle Belastung darstellt. Der Anteil dieser Betroffenen, die bei alltäglichen Ausgaben wie Lebensmitteln oder Heizen sparen müssen, um mobil zu bleiben, ist in Deutschland zwischen 2018 und 2024 mit zwei Prozent am stärksten gestiegen. In der Mehrzahl der 30 untersuchten europäischen Länder sank der Anteil im Betrachtungszeitraum.
Wenn Millionen Menschen in Europa abgehängt sind von Bus und Bahn, dann zeigt das ein systematisches Versagen der Verkehrspolitik. Wie teuer die Abhängigkeit von einem Verbrenner-Pkw ist, erleben Menschen derzeit schmerzhaft mit der Tankquittung. Ein gut ausgebauter, bezahlbarer öffentlicher Verkehr macht den Alltag für viele günstiger, sichert gesellschaftliche Teilhabe und stärkt die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen. Wenn die Bundesregierung jetzt über Entlastungen diskutiert, gehören Bus und Bahn ins Zentrum der Überlegungen.Marissa Reiserer, Greenpeace-Mobilitätsexpertin
In Deutschland sagen mehr Menschen als in jedem anderen der untersuchten Länder, dass der hohe Preis sie von der Nutzung des ÖPNV abhält. Mit knapp sechs Prozent liegt der Wert in Deutschland fast dreimal so hoch wie im europäischen Durchschnitt.
Nahezu die Hälfte der Menschen in Deutschland (48 Prozent) nutzen nie Bus und Bahn. Lediglich elf Prozent nutzen ihn täglich. Beide Werte liegen deutlich unter anderen europäischen Ländern. Ein maßgeblicher Grund dafür ist die schlechte Anbindung vor allem ländlicher Regionen.
Statt für eine Gießkannen-Maßnahme wie den Tankrabatt Milliarden zu verpulvern, von denen mehr bei den Ölkonzernen als bei den wirklich betroffenen Menschen ankommen, sollte die Bundesregierung aus den Erfolgen des 9-Euro-Ticket lernen. Ein günstiges Deutschlandticket, kombiniert mit einer Sozial-Variante und einem gezielten Ausbau, ist der beste Weg, um teure fossile Abhängigkeiten zu reduzieren und den Klimaschutz voranzubringen. Ein Mobilitätsbudget kann besonders belastete Haushalte zusätzlich gezielt entlasten.Marissa Reiserer, Greenpeace-Mobilitätsexpertin
Für die Studie wurde bestehende Forschung zu Mobilitätsarmut in 33 europäischen Ländern ausgewertet und daraus elf Schlüsselindikatoren entwickelt. Grundlage sind Datensätze, die vergleichbare Einblicke zu Einkommen und Lebensbedingungen, Arbeitsdaten, Lebensqualität und Erreichbarkeit von Verkehrsmitteln in europäischen Ländern ermöglichen. Um besonders betroffene Gruppen zu identifizieren, wurden die Daten nach sozioökonomischen Merkmalen wie Einkommen, Alter, Geschlecht und Wohnort (städtisch/ländlich) aufgeschlüsselt. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich Mobilitätsarmut erlebt wird. Frauen und Senioren etwa meiden öffentliche Verkehrsmittel viel häufiger, weil sie sich darin unsicher fühlen oder deren Nutzung für sie körperlich zu anstrengend ist.