Hamburg, 16. 10. 2026 – Deutschland und Frankreich wollen den europaweiten Umstieg auf abgasfreie Autos offenbar weiter verwässern. Wie Medien übereinstimmend berichten, haben sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron darauf verständigt, dass Neuwagen in der EU ihren CO2-Ausstoß nur noch um 90 Prozent bis zum Jahr 2035 senken müssen. Bislang galt, dass er bis zu diesem Jahr auf Null senken muss. Die Schwächung soll, anders als im Vorschlag der EU-Kommission, für die Hersteller auch nicht an Bedingungen wie den Einsatz von grünem Stahl geknüpft werden. Dadurch würden in der EU über das bisherige Enddatum hinaus Millionen Neuwagen mit Verbrennungsmotor zugelassen werden. Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace sieht darin eine dreifache Gefahr:
Mit dieser Einigung schreiben Friedrich Merz und Emmanuel Macron der europäischen Autoindustrie einen brandgefährlichen Blankoscheck beim Klimaschutz. Nie und nimmer werden erneuerbare Kraftstoffe die riesige Lücke füllen können, die hier gerissen werden soll. Wer sich blind darauf verlässt, nimmt billigend in Kauf, dass statt der viel zu teuren und in anderen Bereichen dringender gebrauchten alternativen Kraftstoffe weiter Diesel und Benzin verbrannt werden. Wie teuer es mit fossilem Sprit wird, haben Millionen Autofahrende in den vergangenen Monaten schmerzhaft gespürt.Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand Greenpeace
Industriepolitisch ist der Kompromiss von Merz und Macron hochriskant. Weltweit steigen die Verkaufszahlen von E-Autos rasant. Und der Trend wird sich nach Einschätzung vieler Experten weiter beschleunigen. Suggerieren Merz und Macron mit einem schwachen Ausstiegsfahrplan einen angeblichen Zukunftsmarkt für Verbrenner, entwickeln Deutschland angeschlagene Autobauer heute Fahrzeuge, für die es morgen keinen Markt mehr geben wird. Das kann die SPD nicht wollen. Das EU-Parlament muss diesen kurzsichtigen und gefährlichen Vorschlag stoppen und beim beschlossenen Umstiegsplan auf abgasfreie Autos bleiben.Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand Greenpeace