“Wegen Verantwortungslosigkeit geschlossen”: Greenpeace-Aktive protestieren mit Absperrband gegen Shein Pop-up-Store in Berlin
Berlin, 17. 9. 2026 - Mit Absperrbändern und Bannern protestieren zwölf Greenpeace-Aktivist:innen vor dem heute eröffneten Berliner Pop-up-Store des Online-Händlers Shein gegen die Risiken billiger Wegwerfmode. “Wegen Verantwortungslosigkeit geschlossen” steht auf einem am Schaufenster angebrachten Schild, “Shame on you, Shein” (“Schäm Dich, Shein”) auf dem pinken Absperrband. Shein ist ein aggressiver Fast-Fashion-Händler, der mit dem Pop-up-Store sein Kerngeschäft im Onlinehandel stärken will.
Shein produziert jedes Jahr viele Hundert Millionen Produkte billiger Trash-Mode und befeuert so die Probleme von Wegwerfkonsum: Überangebot, gefährliche Chemikalien und weltweit wachsende Müllberge. Dieser Pop-up-Store ist ein Köder, mit dem der Konzern noch mehr Menschen auf seine Plattform locken und so die Flut oft belasteter Billigstmode weiter vergrößern will. Für die Kund:innen ist das gefährlich, für die Umwelt katastrophal. Fast Fashion muss politisch gebremst werden.Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft
In den vergangenen Jahren hat Greenpeace immer wieder gefährlich hohe Konzentrationen von Schadstoffen – etwa den Ewigkeitschemikalien PFAS oder den Weichmachern Phthalate – in Kleidung aus dem Shein Online-Sortiment nachgewiesen. Zuletzt Anfang des Jahres hier. Die in Berlin angebotenen Produkte dürften die EU-Grenzwerte einhalten, um Gesetzesbrüche zu vermeiden. Gleichzeitig könnten nach Greenpeace-Schätzungen Hunderttausende der im Jahr 2025 etwa 220 Millionen nach Deutschland verkauften Shein-Produkte gegen das EU-Chemikalienrecht verstoßen haben. Um zu zeigen, dass das Shein-Sortiment auch solche gesundheitsgefährdenden Produkte umfasst, haben die Aktivist:innen in Sichtweite des Geschäfts eine Auswahl belasteter Jacken, Schuhe und Kinderkleidung aufgebaut.
Indem sie ihre Waren von außerhalb der EU direkt an Kund:innen liefern, ziehen sich Plattformen wie Shein aus der Verantwortung. Als Importierende tragen dadurch die Käufer:innen rechtlich die Verantwortung dafür, dass gekaufte Produkte den EU-Grenzwerten entsprechen. So entziehen sich die Plattformen bislang der Haftung nach dem EU-Chemikalienrecht. Greenpeace fordert, das EU-Chemikalienrecht künftig ohne Schlupflöcher für alle in der EU angebotene Produkte anzuwenden. Anbieter, die wiederholt gegen EU-Vorgaben verstoßen, müssen sanktioniert und vom Markt ausgeschlossen werden.
Andere Länder fangen inzwischen an, die Fast-Fashion-Flut politisch einzudämmen. Frankreich hat im Juli ein Gesetz beschlossen, wonach Ultra-Fast-Fashion-Unternehmen wie Shein oder der Rivale Temu eine Abgabe von bis zu 12 Euro pro Produkt zahlen müssen. Ab 2030 steigt die Abgabe auf bis zu 20 Euro. Mit den Einnahmen will die französische Regierung auch alternative Geschäftsmodelle wie Second-Hand oder Reparatur fördern. Ab 2027 darf in Frankreich zudem nicht mehr für Ultra-Fast-Fashion-Unternehmen geworben werden. Greenpeace fordert von der Bundesregierung ein Gesetz gegen Fast-Fashion nach französischem Vorbild.
Wenn Fast-Fashion-Konzerne mit Wegwerfmode und gefährlichen Chemikalien Geld verdienen können, dann braucht es klare gesetzliche Grenzen. Ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz nach französischem Vorbild, das für die gesamte Branche gilt, kann Kund:innen schützen, Überproduktion eindämmen und Hersteller endlich in die Verantwortung nehmen.Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft