Hamburg, 30. 6. 2026 - Ab 1. Juli wird eine pauschale Zollabgabe von drei Euro pro Artikelkategorie für alle Kleinsendungen aus Ländern außerhalb der EU fällig. Bisher fiel für Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro lediglich eine Einfuhrumsatzsteuer, aber kein Zoll an. Die neue EU-Zollregelung verteuert auch Bestellungen bei großen Online-Marktplätzen wie Shein, Temu oder AliExpress. Für Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft und Textilien, greift der Schritt zu kurz:
Die Zollfreigrenze abzuschaffen, dämmt hoffentlich die Paketflut ein, die Online-Marktplätze verursachen. Der höhere Zoll macht Produkte aber nicht automatisch sicherer. Unsere Tests zeigen, dass etwa Shein noch immer massenhaft Produkte mit gefährlichen Chemikalien verkauft, die EU-Grenzwerte weit überschreiten. Auch nach unseren Hinweisen hat der chinesische Onlinehändler diese Produkte nicht konsequent aus dem Sortiment genommen. Im Gegenteil. Shein nutzt gezielt Schlupflöcher in den EU-Gesetzen und drückt sich so vor seiner Verantwortung.Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft und Textilien
Im vergangenen Jahr sind in der EU 5,8 Milliarden Kleinsendungen aus dem Online-Handel angekommen - etwa 16 Millionen Pakete am Tag. Damit die Massen an Onlinebestellungen nicht weiter ein Sicherheitsrisiko darstellen, muss die EU Plattformen wie Shein und Temu konsequent in die Verantwortung nehmen. Nur so können die Verbraucher:innen und die Umwelt vor gefährlichen Produkten geschützt werden.Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft und Textilien
November 2025: Greenpeace-Recherche zeigt, dass gefährliche Chemikalien in Shein-Kleidung weiterhin gegen EU-Grenzwerte verstoßen: In Kleidung des Online-Textilhändlers Shein stecken weiterhin gefährliche Chemikalien. 18 von insgesamt 56 untersuchten Kleidungsstücken der chinesischen Fast-Fashion-Marke enthielten gefährliche Chemikalien, die die Grenzwerte der europäischen Chemikalienverordnung (REACH) teils massiv überschreiten, darunter auch Kinderkleidung. Nachgewiesen wurden unter anderem die Weichmacher Phthalate sowie die wasser- und schmutzabweisenden „Ewigkeitschemikalien“ PFAS. Dabei handelt es sich um potenziell giftige Chemikalien, die mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht wurden, darunter Krebs, Fortpflanzungsstörungen und Wachstumsstörungen bei Kindern sowie einer Schwächung des Immunsystems.
März 2026: Greenpeace-Recherche zeigt, dass Shein trotz Warnungen weiterhin mit gefährlichen Chemikalien belastete Kleidung verkauft: Das Bremer Umweltinstitut hat im Auftrag von Greenpeace im Januar 2026 31 Kleidungsstücke getestet und in 25 davon teils massiv überschrittene Grenzwerte der europäischen Chemikalienverordnung (REACH) festgestellt. Dabei handelte es sich um identische oder sehr ähnliche Produkte wie beim Greenpeace-Test im November 2025, die laut Shein nicht mehr auf der Plattform verfügbar sein sollten.