Greenpeace-Studie: Sichere Energieversorgung gelingt mit Flexibilität statt mehr Gas

Effizienz und Lastmanagement können selbst längere Dunkelflauten auffangen

Hamburg, 28.05.2026 – Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant in ihrer Kraftwerksstrategie (StromVKG) weit mehr zusätzliche Gaskraftwerke als nötig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wuppertal Instituts im Auftrag von Greenpeace Deutschland (https://act.gp/4wQJq9z). Engpässe in der Energieversorgung können durch flexible, klimafreundliche Optionen wie Wärmespeicher, Effizienzmaßnahmen und Lastmanagement kosteneffizient und zuverlässig ausgeglichen werden, zeigt die Studie. „Deutschland braucht keine weiteren Gaskraftwerke, damit die Lichter an bleiben“, sagt Anike Peters, Energieexpertin von Greenpeace. „Statt Milliarden in neue fossile Kraftwerke zu stecken, sollte die Bundesregierung Kosten und CO2 sparen, etwa indem der Strombedarf der Industrie klug gesteuert wird. Energie sparsam und passend zum Angebot einzusetzen, stärkt die Versorgungssicherheit und spart Geld.“ 

Die Analyse versachlicht die Debatte um neue Gaskraftwerke und zeigt einen klimafreundlichen Weg aus der Abhängigkeit von Öl und Gas: Ein Zusammenspiel aus Energieeffizienz, steuerbarem Stromverbrauch, Batteriespeichern und flexiblen Wärmeanwendungen kann Schwankungen bei Wind- und Solarstrom zuverlässig ausgleichen. 

Neue Kraftwerke nur als Back-Up für seltene Fälle

Die vorgestellten Flexibilitätsoptionen können auch bis zu fünf Tage dauernde Dunkelflauten überbrücken, Zeiten, in denen weder Wind weht, noch die Sonne scheint. Erst dann werden Backup-Kraftwerke für die Stromversorgung relevant. Diese Sicherheits-Kapazitäten sollten vorrangig aus bestehenden Biogasanlagen bereitgestellt werden. Zusätzliche Anlagen sollen nur gebaut werden dürfen, wenn sie in Zukunft vollständig auf grünen Wasserstoff umgestellt werden, dies ist laut den Autor:innen ab etwa 2035 möglich. Bis dahin besteht laut Analysen eine Versorgungslücke von rund zwölf Gigawatt. Die Greenpeace-Studie argumentiert, dass diese Lücke sich mit konsequenten Effizienzmaßnahmen stark verringern oder sogar schließen lässt. „Es gibt einen Weg aus der fossilen Abhängigkeit“, so Peters. „Erst die Strom sparen, dann die Flexibilität nutzen und nur im äußersten Notfall auf klimaneutrale Backups setzen.“  Greenpeace fordert, den Bedarf an Backup-Kapazitäten schrittweise und ohne Vorfestlegung zu ermitteln und konsequent an den Klimazielen auszurichten.

Für längere Dunkelflauten schlägt Greenpeace eine mutigere Herangehensweise vor: “Es darf kein Tabu sein, über Abregelungen in der Industrie zu sprechen”, sagt Anike Peters. “Die Bundesregierung muss energieintensive Unternehmen in die Pflicht nehmen, in diesen extrem seltenen Fällen alle paar Jahre ihre Produktion vorübergehend zu drosseln - selbstverständlich freiwillig und gegen Vergütung. Das Geld wäre sinnvoller investiert als in Gaskraftwerke.”

Am Samstag protestiert in Hamm ein Bündnis von Greenpeace, BUND, Campact und Fridays for Future gegen den überdimensionierten Zubau von Gaskraftwerken. Dabei ist ein Weltrekordversuch geplant, bei dem die Teilnehmenden ein riesiges Windrad darstellen. Außerdem findet im Lippepark zeitgleich das Hammer Klimacamp statt.

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