Halle (Saale)/Hamburg, 10.8.2026 – Eine gezielte Steuer auf große Vermögen ab 100 Millionen Euro könnte die finanzielle Situation von Halle (Saale) erheblich verbessern. Das zeigt eine neue Studie des Forums Ökologisch Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace (zur Studie). Die angespannte städtische Finanzlage bremst wie aktuell in vielen anderen Kommunen dringende Investitionen in Schulen, Nahverkehr, Straßen und Klimaanpassung aus. Eine Vermögensteuer nach dem Greenpeace-Steuerkonzept könnte Halle nach einer Modellrechnung jährlich rund 68 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen bringen. Damit ließe sich rechnerisch knapp die Hälfte des für 2026 erwarteten Haushaltsdefizits ausgleichen.
“In Halle zeigt sich, was kommunale Finanznot im Alltag bedeutet: Schulsanierungen werden verschoben, Bus- und Straßenbahnangebote eingeschränkt und Investitionen in Hitzeschutz und Klimaanpassung können so nicht getätigt werden”, sagt Barbara Happe, Greenpeace-Sprecherin für Steuergerechtigkeit. „Eine Steuer auf sehr große Vermögen könnte Halle die nötigen Mittel verschaffen, um Schulen zu sanieren, den Verkehr zukunftsfest aufzustellen und die Stadt besser vor Extremwetter zu schützen. Wo Kommunen ihre Aufgaben zuverlässig erfüllen können, wächst auch das Vertrauen der Menschen in die Demokratie.”
Die neue Fallstudie zu Halle vertieft die im Juni veröffentlichte Greenpeace-Studie zur kommunalen Finanznot in Deutschland. Das Steuerkonzept sieht eine Vermögensteuer von zwei Prozent auf Nettovermögen oberhalb von 100 Millionen Euro vor. Sie beträfe nur knapp 5.000 Haushalte in ganz Deutschland. Als Ländersteuer fließt die Vermögensteuer zunächst an das Land Sachsen-Anhalt. Die Modellrechnung berücksichtigt sowohl den Finanzkraftausgleich zwischen den Ländern als auch den kommunalen Finanzausgleich.
Für 2026 rechnet Halle mit einem Haushaltsdefizit von rund 138,2 Millionen Euro. Besonders sichtbar wird der Investitionsstau an der Grundschule Südstadt: Die auf 17,4 Millionen Euro veranschlagte Sanierung wurde bereits mehrfach verschoben. Für die Erneuerung des Straßennetzes sind schon nach Begutachtung der Hälfte der Straßen mehr als 100 Millionen Euro nötig. Trotz Einschränkungen des Verkehrsangebots weist die Hallesche Verkehrs-AG für 2026 ein Defizit von rund 31 Millionen Euro auf. Hinzu kommen notwendige Investitionen in Hitze- und Hochwasserschutz.
Am 10. August informiert Greenpeace bei der Veranstaltung „Fun Facts“ mit Host Sebastian Krumbiegel in Halle über die neue Fallstudie. Besucher:innen können auf symbolischen Millionenscheinen festhalten, wofür die Stadt dringend mehr Geld benötigt. Die gesammelten Zukunftswünsche sollen an Oberbürgermeister Alexander Vogt übergeben werden.