Greenpeace-Studie: Europa bleibt abwehrbereit

Kritik an rüstungspolitischer Kleinstaaterei zwischen europäischen Nato-Staaten

Die europäischen Nato-Staaten sind Russland auch ohne die USA in wesentlichen militärischen Kategorien überlegen. Das zeigt die heute veröffentlichte Greenpeace-Studie „Europa allein zu Haus?“ mit neuen Daten zu Militärausgaben. Demnach investieren die europäischen Nato-Staaten mit Kanada mehr in ihre Streitkräfte als Russland. 2025 gaben sie zusammen rund 626 Milliarden US-Dollar aus, Russland dagegen etwa 190 Milliarden US-Dollar. Besonders deutlich zeigt sich die europäische Überlegenheit bei Kampfflugzeugen (Nato-Europa + Kanada: 2215, Russland 1064), Kriegsschiffen (143 zu 34) und Artillerie (15.896 zu 5976). Die aktuelle Studie von Friedensforscher Herbert Wulf und Alexander Lurz reagiert auf die veränderte transatlantische Realität durch die unberechenbare Politik von US-Präsident Donald Trump. Die Autoren bestätigen zudem ihre Studienergebnisse vom November 2024: Europa verfügt über enorme Verteidigungsressourcen. Das gilt laut der jüngsten Untersuchung auch für den Fall, dass sich die USA aus der Nato zurückziehen. Dennoch leidet Europas Sicherheitspolitik unter einem unkoordinierten und teuren Wettlauf um Rüstungsprojekte.

Wer Europas Sicherheit allein mit immer mehr Milliarden und neuen Waffen garantieren will, übersieht die wahren Probleme: fehlende Kooperation, teure Doppelstrukturen und nationale Egoismen. Sicherheit entsteht nicht durch blinde Aufrüstung, sondern durch eine gemeinsame Verteidigungspolitik mit Augenmaß. Alexander Lurz, Experte für Frieden und Abrüstung bei Greenpeace

Ein Beispiel für das Scheitern der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) an nationalen Interessen ist der Transporthubschrauber NH90: Für acht Länder entstanden 17 verschiedene Varianten. Einsparungen durch höhere Produktionszahlen entfielen so. Jüngstes Beispiel ist der deutsch-französische Streit um die Projektführung des neuen Kampfflugzeugsystems FCAS. Gleichzeitig betreiben die EU-Staaten elf verschiedene Typen an Kampfpanzern.

Die EU-Länder achten penibel darauf, dass ihr Produktionsanteil bei Rüstungskooperationen hoch bleibt und die heimische Industrie profitiert. Auch die neue Militärstrategie der Bundeswehr ignoriert die notwendige Zusammenarbeit in Europa. Diese nationalen Alleingänge verschwenden immense Ressourcen. Alexander Lurz, Experte für Frieden und Abrüstung bei Greenpeace

Fähigkeiten, die ohne die USA fehlen, könnten durch gezielte und europäisch koordinierte Investitionen ausgeglichen werden. Dazu zählen Aufklärungs- und Frühwarnsysteme, Raketenabwehr und Luftverteidigung sowie Lufttransport für schweres Gerät. Die Studie macht deutlich, dass Europas Zukunft von gemeinsamer Handlungsfähigkeit abhängt. Zugleich bleibt es entscheidend, langfristige Sicherheit nicht ausschließlich militärisch zu denken. 

Die Studie online: https://act.gp/4tMzn2i

Rückfragen bitte an Dr. Alexander Lurz, Tel: 0175-3454113, alexander.lurz@greenpeace.org, oder Pressesprecherin Simone Miller, Tel: 0171-870 6647, simone.miller@greenpeace.org. Greenpeace-Pressestelle: Tel. 040/30618-340, presse@greenpeace.de, presseportal.greenpeace.de, www.greenpeace.de

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